"Neues Leben in alten Räumen"

Zur Geschichte des Theodor Krasselt Werkes in der Würschnitzer Straße 1 in Radeburg


Historische Dokumente zur Geschichte

1 - Die Gründung des Werkes

Der Radeburger Bürger, der vor 135 Jahren am 12. April 1865 "Das Echo" - "Amtsblatt für die königlichen Gerichtsamtsbezirke Radeberg, Radeburg und Moritzburg" - aufschlug, las an prominenter Stelle folgende Bekanntmachung:

"Der Maschinenfabrikant Herr Carl August Behrisch hier beabsichtigt auf dem bei seinem mit Nr. 18 catastrirten, im Flurbuch mit Nr. 16 eingetragenen Garten eine Dampfschneidemühle zu errichten und hat mit der diesfälligen Anzeige das Gesuch um obrigkeitliche Genehmigung zur Ausführung solchen Vorhabens verbunden."

Da diesem durch das königliche Gerichtsamt veröffentlichten Gesuch offensichtlich niemand widersprach, nahm die wechselvolle Geschichte des zunächst nur mit zwei Geschossen gebauten Werkes in der Würschnitzer Straße 1 seinen Lauf:

2 - Das Werk von 1865 - 1990

Das ursprünglich als Sägewerk konzipierte Werk wurde in den folgenden Jahrzehnten als Maschinenfabrik für landwirtschaftliche Maschinen und als Stickerei- und Spitzenmanufaktur (ab 1910) genutzt. 1923 wurde das Werk um ein weiteres Stockwerk aufgestockt. Anlässlich dieser Aufstockung durch die Neumeisterische Spitzenfabrik bemerkt ein Chronist im Großenhainer Tageblatt vom 13. Oktober 1923:

"Interessant ist eine alte Fabrikordnung der vormals Behrischen Fabrik für landwirtschaftliche Maschinen, die lange vor der Spitzenindustrie in den 60 - er Jahren in den gleichen Räumen betrieben wurde, aber seit Anfang der 80 - er Jahre ruhte. Die Ordnung, unter dem 30. Dezember 1864 vom damaligen Bürgermeister Häntzschel genehmigt, bestimmt: Arbeitszeit 5 - 12, 1 - 7 Uhr, 12 - 1 Uhr Mittags -, früh 9 - 9.20 Uhr Frühstücks- und nachm. 4 - 4.15 Uhr Vesperpause ..... Eine noch vorhandene Petroleumlampe lässt schließen, unter welch dürftigen Beleuchtungsverhältnissen man damals arbeiten musste."

1937 erwarb dann der Fabrikant Theodor Krasselt das Werk, um es als Garnspinnerei und Treibriemenfabrik zu nutzen. Zeitweilig arbeiten damals bis zu 80 Arbeitskräfte im Werk. Nach dem Zusammenbruch 1945 wurde Theodor Krasselt nach Bautzen verschleppt, wo er vermutlich 1948 umkam. Die Maschinen des Werkes wurden demontiert und in die Sowjet Union transportiert.

Bis 1989 wurden im Werk durch die Hellerrauer Möbelwerkstätten Möbel hergestellt.

3 - Das Werk seit 1990

Nach der friedlichen Revolution in Ostdeutschland übernahmen im Jahr 1990 die nie enteigneten Erben nach Theodor Krasselt wieder die Verantwortung für das in weiten Teilen marode und heruntergekommene Gebäude. Obwohl im Werk noch bis 1999 auf schrittweise verringerten Produktionsflächen Bilderrahmen gefertigt wurden, wurde das Werk durch den Eigentümer, die GbR Dingler und Partner, systematisch vom monoindustriell genutzten Industriegebäude in ein Gewerbe- und Dienstleistungszentrum umstrukturiert und den Erfordernissen entsprechend saniert oder modernisiert.

Heute beherbergt das Werk in durchweg modernen Räumen:

Im Ergebnis kann die Umstrukturierung des Werkes als eine gelungene Revitalisierung eines alten, im heutigen Stadtkern der Stadt Radeburg gelegenen Industriegebäudes gelten, die dem Grundsatz folgte, sich den Bedürfnissen der heutigen Nutzer optimal anzupassen.